Lindenaubibliografie


Wolfgang Hilbig
Juni 2, 2010, 10:00 pm
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Heute ist der dritte Todestag von Wolfgang Hilbig. Ich habe ihn nur zweimal gesehen, das erste mal in einem entlegenen Stadtteil Leipzigs, in dem damals die von mir frequentierte Hochschule für Bibliothekswesen untergebracht war, dort las er im Keller, der sonst für die Essensausgabe reserviert war.

Er machte sofort ziemlichen Eindruck auf mich, obwohl ich damals nichts von ihm kannte und mir sein Name nur aus der heimatlichen Bibliothek bekannt war, in der ich häufig vor dem Regal mit den Autorennamenanfangsbuchstaben H stand und die Bücherrücken musterte. Henscheid, Hildesheimer, Hilbig. Des später sehr von mir geschätzten Edgar Hilsenrath kann sich der nicht unbeträchtliche Teil meines Gedächnisses, der für Autorennamenanfangsbuchstaben reserviert ist, nicht entsinnen.

Damals las dieser grauhaarige Mann in Jeansjacke mit der strähnigen Frisur an einem unscheinbaren Klassenraumtisch, ich glaube es muss um 1996 gewesen sein. Was er las weiss ich nicht mehr, in meiner Erinnerung klingt es wie aus dem Roman „Ich“. Ich kann mich noch daran erinnern, das ich ihm gerne Fragen gestellt hätte, mir jedoch dazu nicht qualifiziert zu sein schien.

Später arbeitete ich mich dann mit Begeisterung durch sein teils dem Leser den geradlinigen Zugang versperrendes Erzählwerk. Immer wieder findet man diesen Zugang jedoch, wenn man sich in diesem L. Hilbigs durch die Schrebergartenkolonien, S-Bahnhöfe und verfallenden Fabrikgemäuer in Plagwitz schleppt. Zwar spielt dieses L. gar keine so grosse Rolle zwischen dem südlichen M. und dem nördlichen B., doch setzen sich diese Texte ja ohnehin nicht durch ihren biografischen Wirklichkeitsbezug so sehr fest, sondern dadurch, das sie in einem universellen fiktiven Raum einer gewissen Sprachmelodie angesiedelt zu sein scheinen, die man von alleine hier oder dort verortet…

Immer wieder muss ich an einen Text Hilbigs denken, in dem der S-Bahnhof Plagwitz in ein frühmorgentliches Licht gerückt wird, auch die Bilder seiner Fabriken und Abraumhalden haben sich tief mit dem mir selbst wiederfahrenen ziellosen Umherirren durch ehemalige Tagebaue und stillgelegten Gartenlauben vermengt. Und gerade lese ich die mir bislang entgangene „Eine Übertragung“ und sofort hält sie mich gefangen.



Punk in Lindenau
September 19, 2009, 10:00 pm
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Hier ein kleiner Rückblick auf die Anfänge des Punk im ehemaligen Bezirk W 33, den ich im Chromdioxid Blog (erloschen, aber nun im tapeattack blog) fand:

„Im Jahr 82 geschah hier [W33] das, was derzeit an vielen Orten passierte. Die Neue Deutsche Welle schäumte über, verrauschte Kassetten machten die Runde, Silly war ein Geheimtipp und die Einstürzenden Neubauten nachten bildhaft klar, was genialer Dilettantismus mit Rock’n Roll zu tun hatte. Bands entstanden, Namen waren Programm: Notausgang, Einseitig, Namenlos… die Sound lagen auf den Straßen, alles war erlaubt. Vieles zerfiel bald wieder, vier Freunde machten weiter: 0815 – wie der Name, so die Musik. Punk kannte man kaum vom Hörensagen, er entstand eher beiläufig. Es ging einfach so los und machte Spaß. Zum Schulabschlußfest kniff man noch. Silvester 1983 war es soweit, ein Konzert für die besten Freunde. Das nächste Jahr verging euphorisch, es gab ein zweites Konzert, doch es schmorte schon zu lange im eigenen Saft. Die Rosinen im Kopf wuchsen, ein neuer Name mußte her, neue Instrumente – und dann war es auch schon wieder vorbei.

Seite 1 enthält vier Aufnahmen von 0815 aus dem Jahr 1983, der erste Titel ist der allererste 0815-Song überhaupt und in der Rohfassung und einer überarbeiteten Version enthalten. Es folgen zwei Aufnahmen der Gruppe Namenlos, eingespielt mit echten Punk- (= Schrott) Instrumenten, also Pappkartons und Eigenbau-E-Zithern! Das dritte Projekt Die Nerven ist das Ergebnis einer launigen Sommerabendsession des Jahres 1990 und gehört deshalb dazu, weil hier ein ehemaliges 0815-Mitglied mitwirkte. Seite 2 enthält dann einen kompletten Mitschnitt des zweiten und zugleich letzten 0815-Konzertes von 1984.“

Weiteres zu den damaligen Lindenauer Punks findet sich in dem empfehlenswerten „Haare auf Krawall“ (über Jugendsubkulturen in Leipzig 1980-1991):

„Durch meinen Bruder wußte ich schon, was Punk ist. Der schoß schon Anfang der Achtziger mit Punks aus Lindenau rum. Die Musik, die die hörten, fand ich ziemlich schrecklich. Irgendwann war dann mal ein Punkkonzert von dieser Clique und ihrer Band Kollaps an unserer Schule. Der Anfang von deren Konzert war für alle der totale Schock. Es war genau das Jahr, als dieser Song ‚Words dont come easy‘ ein totaler Hit war. Die Band hatte einen Kassettenrecorder dastehen, auf dem ‚Words dont come easy‘ lief. Der Frontmann von denen hatte riesengroße Stiefel an und latschte auf einmal voll gegen den Recorder. Der klatschte gegen die Wand, platzte auf, und dann fingen Kollaps an zu spielen…“ (Seele, Haare auf Krawall, S.228)

„Dann gab es diese Rockpalastfete. Das war im März 1981. Wollte man abends weggehen, sah es ja nicht so gut aus. Zum einen gab es kaum etwas für Jugendliche, zum anderen bist du in die Läden, die es gab, wegen deines Aussehens nicht reingekommen. Ständig war ein großer Teil der Leute ausgeschlossen. Dort, wo es vielleicht Bananen gab oder irgendeine Schallplatte, reichten sie immer bloß für einen Teil in der Schlange…Deswegen haben wir gedacht, wir müssen eine Party machen, wo alle reinkommen können. Das war die Idee der Rockpalastfete.
Keiner von uns hatte so eine grosse Wohnung, aber 1980/81 hatten wir im Fernsehen von besetzten Häusern gehört, von Häuserkampf und so. Auch hier gab es ja ein paar besetzte Häuser, in der Holteistraße zum Beispiel. Wir sind also auf die Idee gekommen, für eine Nacht ein Haus zu besetzen und es herzurichten für eine große Party. Rockpalast, diese Live-Konzertübertragung in der ARD, wurde damals von sehr vielen Jugendlichen geschaut. Es gab immer kleine Rockpalastfeten bei Leuten, die gerade eine freie Wohnung und einen Fernseher hatten.
Wir haben schliesslich ein Haus gefunden in der Rossmarktstraße in Lindenau, genau an der Stelle, wo sich heute das modernste Polizeirevier von Leipzig befindet. Wir sind auf das Haus gekommen, weil ein Freund 100 Meter entfernt wohnte und wir den Strom rüberlegen konnten. Wird haben zwei Etagen völlig leergeräumt, Türen als Treppengeländer angenagelt, damit niemand runterfällt und so, mundpropagandamäßig erzählt, daß da eine Rockpalastfete stattfindet, auf die jeder kommen kann. Es war irgendwie Chaos bis zuletzt, den Strom über Dächer hinweg zu legen, was zu trinken zu holen. Alle hatten Geld zusammengelegt. Wir konnten auch nicht immer so offensichtlich in das Haus rein- und rausrennen, da uns sonst irgendwelche Nachbarn bei der Polizei angezeigt hätten. Schließlich kamen so ungefähr 120-130 Leute. Es ging um 22 Uhr los, und es kamen immer mehr Leute. Wir waren bester Stimmung, so richtig auf Partystimmung, obwohl es kaum was zu trinken gab. Da lag was in der Luft, denn es waren fast nur Langhaarige da, darunter natürlich auch immer neue Gesichter… Ich glaube es war so gegen Mitternacht, als die Polizei mit einem Großaufgebot anrollte. Das ganze Viertel war durch Bullen und Bereitschaftspolizei abgesperrt, doppelt so viele wie wir. Im Haus stand auf jeder Stufe, immer so versetzt, ein Bulle mit Gummiknüppel, draußen lauter Fahrzeuge mit Blaulicht. Oben im Haus hatte es eine Auseinandersetzung gegeben. Der Einsatzleiter hatte die Freundin von einem gestoßen, wei sie sang, und der hat den Typen an den Schultern gepackt und gegen den Ofen geknallt. Dabei hatte er dann die Schulterstücke in der Hand, und die Bullen haben ihn tierisch vermöbelt. Aber, Gott sei Dank, wieder in den Raum zurückgebracht, wo auch die anderen waren und man ihn hinterher nicht identifizieren konnte. Sonst waren die Bullen relativ zurückhaltend, aber es ging eben durch ihre Präsenz und die Gummiknüppel eine große Gewalt von ihnen aus… Man brachte uns in einen Hof in der Beethovenstraße. Es war März, und es gab noch Frost. Wir mußten die ganze Nacht mit Händen hinter dem Kopf an so einer Mauer stehen… Nach einer Weile wurden alle Frauen oder jungen Mädchen raussortiert und in den Keller gebracht. Sie mußten sich dann in Zweiergruppen ausziehen und Kniebeuge oder Liegestütze vor den Bullen machen. Außerdem wurden sie ständig beleidigt. Das hat die Eltern im Nachhinein auch ziemlich empört. Der größte Teil der Leute ging ja noch in die Schule…“ (Sven, Haare auf Krawall, S.43)

Lieder auf der W 33 Kassette: (mehr dazu auch bei lutz schramm im parocktikum)

1. 0815 – Habt ihr (Urfassung) [05:11]

2. 0815 – Siloleben [02:43]

3. 0815 – Zukunft [02:25]

4. 0815 – Habt ihr (2te Fassung) [04:06]
5. Namenlos – Das tiefe Wasser [01:45]
6. Namenlos – Advent [00:34]
7. Die Nerven – Sensation [02:00]

8. Die Nerven – Wir sind die Nerven [01:16]
9. Die Nerven – Loneliness [04:52]
10. Die Nerven – Neonazis [02:04]
11. Die Nerven – Alkohol [02:41]
12. 0815 – Diskomanie [05:57]
13. 0815 – Geld [03:55]
14. 0815 – Nur ein Planet [03:06]
15. 0815 – Die Zeit steht still [02:55]
16. 0815 – Zukunft [04:50]
17. 0815 – Abschied [02:59]
18. 0815 – … Schwein [03:18]
19. 0815 – Geld Reprise (Zugabe) [03:10]



Heinrich Wiegand und Max Schwimmer
Oktober 3, 2008, 11:57 pm
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wiegand an hesse
Wiegands und Schwimmers 1928

Es handelt sich um zwei Lebensläufe, die in armen Verhältnissen in Lindenau ihren Anfang nahmen, beide besuchten gemeinsam das Lehrerseminar in Connewitz um aus der Enge dieser Verhältnisse zu fliehen. Nach dem ersten Weltkrieg wenden sich beide den künstlerisch radikalen Subkulturen Leipzigs zu. Wiegand wird Pianist in den Kabaretts „Der Bauch“ und später „Retorte“, schreibt Glossen für die Satirezeitung „Der Drache“. Schwimmer zeichnet ab 1918 für Pfemferts „Die Aktion“ und gestaltet Bühnendekorationen in der „Retorte“. Später liefert er auch Texte und Zeichnungen für den „Drache“. Schwimmer etabliert sich langsam als Illustrator von Büchern, zumeist für die linken Plagwitzer Verlage „Die Wölfe“ und „Freidenkerverlag“. Wiegand wird Musik- und Literaturkritiker bei der Leipziger Volkszeitung und arbeitet zugleich für das Arbeiter-Bildungsinstitut, als Redakteur der SPD-nahen Zeitschrift „Kulturwille“. Er beginnt einen intensiven Briefwechsel mit Hermann Hesse und engagiert sich gegen die langsam an Einfluss gewinnenden Nationalsozialisten und Militärs. 1933 muss Wiegand aus Deutschland fliehen und stirbt 1934 im Exil in Italien. Schwimmer verliert seine Anstellung als Lehrer in der Kunstgewerbeschule und kann lange nicht mehr ausstellen, er schreibt an seinen Freund Hans Georg Richter: „Der Glückstraum ist endgültig ausgeträumt, warten wir also auf das Wunder, Kniebeuge vor Gott. Flucht aus der Zeit? Jawohl!“. Später gelingt ihm diese Flucht aus der Zeit, er kann wieder als Illustrator arbeiten und auch in geringem Umfang wieder Bilder ausstellen. Nach dem Krieg leitet Schwimmer die Leipziger Kunstgewerbeschule und arbeitet an der staatlichen Akademie für graphische Künste. Er etabliert sich als Illustrator, muss aber nach einem künstlerischen Richtungsstreit Leipzig verlassen und an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden weiter unterrichten. 1956 wird er Sekretär an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin. Schwimmer stirbt am 12.3.1960 in Leipzig und ist auf dem Friedhof in Leipzig-Lindenau beigesetzt. Zum Tode von Heinrich Wiegand konnte Thomas Mann 1934 nur bemerken: „Daß der Arzt nicht einmal den Namen seiner Todeskrankheit zu nennen weiß, ist charakteristisch genug. Wir kennen diesen Namen wohl. Er lautet ‚Deutschland‘; und wenn irgend etwas unseren Abscheu erhöhen könnte über den , der auch Ihren Mann aus der Heimat vertrieb, auch seinen Lebensinhalt und ihn selbst zerstörte, so ist es das Ende dieses guten Menschen.“ Heinrich Wiegand ist in Lerici in Italien beerdigt.

siehe auch: Biografie von Heinrich Wiegand



Annäherung an eine jüdische Geschichte Lindenaus
Juli 13, 2008, 6:58 pm
Filed under: Jüdische Geschichte

„Die Geschichte ist eine Erfindung und sogar eine ständige Neuerfindung der Wahrheit.“ Jorge Semprun (Was für ein schöner Sonntag, S.391)

Es fällt nicht leicht, sich an die Geschichte der jüdischen Bewohner Lindenaus heranzutasten, einerseits weil man aus Mangel an Zeitzeugen gezwungen ist, auf Adressbücher und Akten des Staatsarchivs zurückzugreifen, andererseits weil es ja auch verwirrend ist, gerade die Definition der Nationalsozialisten, wer jüdischer Abstammung ist, für die jüdische Geschichte zu übernehmen. Mitunter waren die Familien ja im eigentlichen Sinne nicht mehr jüdischen Glaubens, sondern schon lange eingebürgert und eingeheiratet… In dem Buch „Davidstern und Weihnachtsbaum“ von Bernd-Lutz Lange finden sich mehrere Berichte von Zeitzeugen der jüdischen Schicksale im Dritten Reich in Lindenau: Gespräche mit Karoline Scherf, einer Überlebenden Jüdin, die 1991 in einem Altersheim in der Bornaischen Str. in Leipzig gestorben ist, mit Martha Klapisch, der Tochter eines jüdischen Lindenauer Kaufmanns aus der Birkenstraße, die vor den Nazis fliehen konnte.Gespräche mit Josef Gülden vom Leipziger Oratorium aus der katholischen Liebfrauengemeinde, mit dem Sohn des Kaufhaus-Inhabers Hans Joske, ein Bericht über Schuh-Baer, ein Bericht von Sascha Hammerstein, dessen Familie in der Merseburger Str. wohnte und Gespräche mit ehemaligen Mitarbeiterinnen des Kaufhaus Held. Es scheint sinnvoll, die jüdische Geschichte der Stadt Leipzig in den Stadtteilen zu betrachten, um sie persönlicher fassbar zu machen. Es erscheint als Aufgabe, den ehemaligen jüdischen Bewohnern Leipzigs wieder zu einer Geltung als Individuen zu verhelfen, derer sie die Massenideologie des NS-Regimes beraubte, und die sie noch als Opfer oder Überlebende in der Erinnerung in Auflistungen gefangenhält. Mir erscheint die Erinnerung näher und einfacher, wenn man sie auf Wohnhäuser oder Strassen bezieht, auch wenn die Betreffenden dort vielleicht nur kurze Zeit wohnten.

Im jüdischen Adressbuch von 1933 waren es etwa 75 Einträge, die Auskunft über jüdische Familien, Einzelpersonen und und Gewerbetreibende in Lindenau gaben. Das umfasst natürlich nicht alle Bewohner Lindenaus, die jüdischer Herkunft waren, es berücksichtigt auch nicht den Zuzug oder Wegzug aus dem Stadtteil Lindenau. Oft ist nur das männliche Familienoberhaupt angegeben und nicht die Frau oder die Kinder. Zu den Leipziger Juden, die noch rechtzeitig emigrieren konnten, ist oft recht wenig Material vorhanden. Zudem handelte es sich um eine Zeit, in der es gute Gründe gab, öfters den Wohnsitz oder gleich das Land zu verlassen, auch gab es später noch einen Zuzug, der sich erst ab 1939 auf die von der Stadtverwaltung festgelegten „Judenhäuser“ beschränkte. Da also in dieser Übersicht unweigerlich ehemalige jüdische Bewohner Lindenaus fehlen dürften, bitte ich an dieser Stelle auch um Hinweise und ergänzende Angaben.

Jüdische Bewohner Lindenaus aus der Zeit zwischen 1900 und 1945 (Quellen, siehe unten), nach Strassen geordnet:

Angerstraße

In der Hausnummer 5 wohnte Lieselotte Geyer, eine Verkäuferin. In der Nummer 13 hatte laut einer Anzeige der Tapezierer I. Tänzer sein Geschäft. In der Angerstr.18 wohnte Adolf Weigler, von Beruf Kaufmann. In der Angerstr.49 befand sich eine Betstube.

Aurelienstraße

Hier befand sich in der Hausnummer 14 ein Bethaus. Dort waren auch 1933 Georg Boritzer (von Beruf Schneider) und Salomon Boritzer (Handelsmann) gemeldet, mit ihren Kindern Arno Boritzer (*19.1.1918) und Sulamid Renate Boritzer (*23.9.1934). In der Aurelienstr.37 wohnte Samuel Wasserlauf, ein Maler.

Birkenstraße

In der Birkenstr.8 wohnten Gusta Markowitsch (Verkäuferin), Malke Markowitsch (Geschäftsinhaber), dort lebte auch Samuel Markowitsch (Kaufmann) mit Familie. Es gibt einen Bericht seiner Tochter, Martha Klapisch (geb. Markowitsch), sie lebte mir ihrem Mann in Reichenbach bei Plauen und hatte dort einen Textilladen. Da ihr Mann in der KPD war und gesucht wurde, kam sie mit ihrem Sohn Jascha 1933 in das Reichenbacher Gefängnis. Der 5jährige Sohn starb im Gefängnis, Martha Klapisch konnte später in die Tschechoslowakei, dann nach Frankreich fliehen und überlebte. Auch ihr Bruder überlebte in der Sowjetunion, arbeitete in Moskau als Geiger in einer Jazzkapelle. Ihre Schwester lebt in den USA, ihr Sohn wurde von den Nazis umgebracht (*DuW, S.206).

Dort lebte auch Dr. Schilem Ptaschek, ein Arzt. In der Nummer 30 wohnte Jacques Sander, eingetragen als Kaufmann.

Calvisiusstraße

In der 20a wohnte Curt Löwe, ein Vertreter. In der Calvisiusstr.31 wohnte Käthe Kirschbaum (Kontoristin).

Demmeringstraße

In der Hausnummer 9 wohnte Jakob Salberg, von Beruf Händler. In der Demmeringstr.19 wohnte Martha Schmerl. In der 21 Aron Sieradzki (Kaufmann). In der Nummer 58 Dr. phil. Lazar Gulkowitsch (Privatdozent). In der Demmeringstr.79 wohnte Anna Adler (Witwe).

Diakonissenstraße

In der Diakonissenstr. 4 lebte Walter Alexander (*1.9.1899 in Leipzig), von Beruf Kaufmann und Kürschner, der mit einer nichtjüdischen Ehefrau verheiratet war und schließlich wohl in der Heil- und Pflegeanstalt Dösen am 24.2.1940 Opfer der „Euthanasie“ wurde.

Endersstraße, siehe Kaiserstraße

Georg-Schwarz-Straße, siehe Gundorfer Straße

Gundorfer Straße

Hier befand sich Schuh-Baer, das Schuhgeschäft von Isidor Baer.

Hahnemannstraße

Hier lebte Abraham Meyer in der Hausnummer 2, ein Abteilungsleiter (scheint 1940 gestorben zu sein). Auch seine Ehefrau Bertha Meyer (*26.5.1867 in Elbogen/Böhmen, geb. Steiniger) lebte dort, musste dann in das JH Humboldstr.13 ziehen, seit 1940 Witwe, wurde am 19.9.1942 deportiert nach Theresienstadt, wo sie am 9.2.1943 starb. (Abschluss eines Heimeinkaufsvertrages für Theresienstadt). Ihre Töchter sind emigriert. Eine Tochter wurde 1942 nach Riga deportiert und überlebte.

Holteistraße

In der Holteistr.28 wohnte zeitweilig Isidor Baer, der Inhaber des bekannten Schuhgeschäftes Schuh-Baer in der Gundorfer Str. (spätere Georg-Schwarz-Str.). Eine Tochter von Isidor Baer war mit dem Lindenauer Arzt Dr. Gustav Rosenthal verheiratet.

Josephstraße

Hier lebten in der Josephstr.7 Anna Lotrowsky (Händlerin) und Aisik Lotrowsky (Bäcker), in Menschen ohne Grabstein ist noch Ida Jetty Lotrowsky (*13.3.1890 in Lodz /Polen, geb. Jakubowitsch) genannt, ebenfalls Händlerin, getrennt lebend, deren Ehemann und Kinder emigriert sind. Sie wurde am 21.1.42 nach Riga deportiert und ist verschollen. In der Hausnummer 51 wohnte Dina Dora Menn (*12.11.1879 in Neu-Sandec/ Österreich-Polen, geb. Zimetbaum). Sie hatte mit einem nichtjüdischen Ehemann zusammengelebt, war aber damals schon Witwe, wurde am 13.1.1944 scheinbar nach Theresienstadt deportiert und ist dort verschollen.

Kaiserstraße, (1907-1947 Name der Endersstraße)

In der Kaiserstr.3 lebte Leon Kohs (Kaufmann). Im selben Haus wohnte Friedel Ornstein. In der Kaiserstr.9 wohnten Rosa Wittelson (Geschäftsinhaberin) und Sally Wittelson (Kürschner).

Karl-Heine-Straße, eigentlich gehört ja nur die Nordseite der Karl-Heine-Str. (gerade Hausnummern) zu Lindenau

In der Karl-Heine-Str.29 wohnte Julius Joske, ein Kaufmann und Mitinhaber des Kaufhaus Joske, er ist der Sohn von Max Joske. Dort in der Nähe befand sich auch das Kaufhaus Joske (Nr.43-45), daß Max Joske, später Hans und Julius Joske leiteten. Hans Joske wohnte mit seiner Frau Clara Joske (*11.1.1894 in Leipzig, geb. Nordheimer, Tochter von Charlotte Nordheimer). Sie wurde am 19.4.1938 aus politischen Gründen verhaftet und einen Tag später wieder freigelassen, musste Zwangsarbeit als Pelznäherin leisten. Hans Joske konnte noch mit dem Sohn Gideon fliehen, Clara Joske und die Tochter Ruth Joske wurden am 13.7.1942 nach Auschwitz deportiert und sind dort verschollen. In der Hausnummer 43 lebte Isaak Goldmann (Handlungsgehilfe). In der Karl-Heine-Str.47 lebten Meier Rosenfeld (Kaufmann), Henny Rosenfeld (Witwe) und Israel Rosenfeld (Kaufmann). In der Hausnummer 56b wohnte Moritz Weiss, der jedoch scheinbar 1935 verstarb und seine Witwe Meta Anna Weiss (*12.6.1872 in Hirschberg, geb. Salomon). Sie war Verkäuferin, musste in das JH Gustav-Adolf-Str.7 umziehen und wurde dann am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert. In der Nummer 57 wohnte Josef Weinwurzel (Kaufmann). Im selben Haus wohnten Werner Pergamenter (Vertreter) und Gerda Pergamenter (Filialleiterin). Im Umfeld der katholischen Liebfrauenkirche in der Karl-Heine-Str.110 arbeitete seit 1936 die Schauspielerin und Halbjüdin Gerda Gottschalk beim Kaplan des Leipziger Oratoriums Josef Gülden als Sekretärin. Sie wurde 1941 wegen Nichttragens des „Judensterns“ in der Wohnung verhaftet, kam mit ihrer Schwester Helga ins Gefängnis, später in das „Arbeitshaus“ in der Riebeckstr. und wurde am 21.1.1942 nach Riga deportiert, konnte im November 1944 aus dem Konzentrationslager Stutthoff fliehen und mit Hilfe des katholischen Pfarrers der Liebfrauenkirche Theo Gunkel schließlich nach Dänemark fliehen. In der Bibliothek des Leipziger Oratoriums konnte auch der Philosoph, Schriftsteller und Übersetzer Paul Stern (*10.12.1888 in Köln) arbeiten, er wurde 1944 verhaftet, zuerst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz deportiert und ist dort verschollen. Durch die Hilfe von Pfarrer Theo Gunkel konnte auch Karoline Scherf gerettet werden, eine Jüdin aus der Lützner Straße die bei den katholischen Geschwistern Spitzer, gegenüber dem Plagwitzer Bahnhof (Friedrich-August-Str.29) versteckt wurde. In der katholischen Liebfrauengemeinde in Lindenau wurden gegen Kriegsende auch noch weitere gefährdete Menschen versteckt, ein jüdisches Ehepaar mit Kindern, mehrere Einzelpersonen, drei geflohene Ausländerinnen und geflohene Soldaten (*DuW, S.97).

Leutzscher Straße

In der Nr.38 lebte Rudolf Kormes (*28.12.1885 in Leipzig) mit Familie, ein Kürschner, Inhaber eines Auktionshauses, auf den Transportlisten vom 21.1.1942 und 17.2.1943 wurde die Familie gestrichen, aber dennoch deportiert? Seine Frau Ida Frieda Kormes (*30.12.1888 in Bremen, geb. Petzon) war Verkäuferin, musste Zwangsarbeit leisten als Pelznäherin im Leipziger Pelzwaren-Spezialhaus G. Nauck am Brühl 41/43. Ihr Bruder und ihre Kinder(?) Julius Manfred Kormes (*11.3.1923 in Hannover, Auswanderung nach England am 10.5.1939) konnten emigrieren, sie selbst wie ihr Mann ist 1943 verschollen. In der Leutzscher Str.59 wohnte Elsa Heilmann. In der Hausnummer 69 wohnte Viktor Borchheim (*27.8.1896 in Nörenberg, Pommern), ein Kaufmann. Er musste als Zwangsarbeiter arbeiten, wurde am 10.11.1938 im Rahmen einer „Sonderaktion“ verhaftet, am 11.11.1942 wegen „Vergehens gegen die Kriegsswirtschaftsverordnung“ verhaftet und am 19.12.1942 nach Auschwitz deportiert, wo er am 14.1.1943 starb. Er war mit einer nichtjüdischen Ehefrau verheiratet.

Lindenauer Markt

In der Hausnummer 10 wohnte Selmar Kraft, ein Kaufmann. Am Lindenauer Markt 12 wohnte Isaak Dessau (Kaufmann) mit Familie, den Kindern Joachim Dessau (*21.6.1923) und Manfred Dessau (*9.8.1926). Im selben Haus wohnte Hans Juliusberger, ein Geschäftsführer. Kurzzeitig wohnte dort auch Josef Kohs (*31.12.1900 in Krakau) und Elvira(?) Kohs (geb. Fischel, Tochter von Moses Fischel?) zur Untermiete (bei Cohn), mit ihren Kindern Heinz Detlef (*29.10.1927 in Lindenau) und Michael (*22.5.1936 in Lindenau), die am 28.10.1938 nach Polen deportiert wurden(*fehlt in MoG?). Josef Kohs besuchte die 43. Volksschule in der Uhlandstr.8. In der Nummer 19a wohnte Max Moses Melmann (*30.1.1896 in Berlin) mit Familie, ein Kaufmann und Vertreter für Nahrungsmittel und Textilwaren, später als Zwangsarbeiter in Leipzig. Max Melmann musste schließlich in das JH Walter-Blümel-Str.21, wurde am 10.2.1941 wegen „Betretens einer arischen Gaststätte“ verhaftet und am 21.1.1942 nach Riga deportiert. Seine geschiedene Ehefrau Elisabeth Melmann (*1.11.1904 in Leipzig, gesch. Wobad geb. Berg), die später als Textilhändlerin in der Hainstr.8 wohnte, wurde ebenfalls am 21.1.1942 nach Riga deportiert. Im Haus wohnten noch Moses Melmann (Reisender), vermutlich der Bruder von Max Melmann (der später in Theresienstadt überlebte) und seine Mutter Flora Melmann (*26.11.1868 in Leipzig, geb. Gerson), die seit 1918 verwitwete Vermieterin. Ihr Bruder konnte emigrieren, sie war die Schwägerin der in Auschwitz verschollenen Erna Gerson (Wirtschaftsleiterin im Judenhaus Humboldstr.13/ Altersheim). Einer ihrer Söhne wurde 1945 nach Theresienstadt deportiert und überlebte. Sie selbst wurde am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 9.4.1944. Im Haus Nr.22 lebte Richard Oelsner (*25.4.1871 in Oppeln, Schlesien) mit Familie. Er war Kaufmann und Vertreter, später Zwangsarbeit in der Städtischen Arbeitsanstalt. Er musste schließlich in das Judenhaus Färberstr.11 und wurde am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er am 10.12.1944 starb. Er war verheiratet mit Johanna Oelsner (*25.4.1871 in Oppeln, Schlesien, geb. Schiftan), die ebenfalls am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und am 10.12.1944 starb. Ihrer beider Sohn Wilhelm Baruch Oelsner (*30.7.1903 in Oppeln) war Kaufmann, später Zwangsarbeiter im Gartenbau, kam schliesslich in Judenhaus Packhofstr.1, wurde am 11.11.1942 wegen Vergehens gegen die Kriegswirtschaftsverordnung verhaftet und am 16.1.1943 nach Auschwitz deportiert, wo er am 1.3.1943 starb.

Lionstraße

In der Lionstr.9-11 wohnte Sidonie Bacher, eine Witwe.

Lützner Straße

In der Nummer 7 wohnte Karoline Scherf (*1899 in Berlin), war verheiratet mit Paul Scherf, einem nichtjüdischen Lindenauer Lehrer, sie arbeitete bis 1944 bei der Firma Theuerkauf & Scheibner in der Mariannenstr., sollte am 10.2.1945 noch nach Theresienstadt deportiert werden, wurde jedoch durch den katholischen Pfarrer Theo Gunkel bei den Geschwistern Spitzer in der Friedrich-August-Str.29 III, gegenüber dem Plagwitzer Bahnhof (später Engertstr.29) versteckt. Sie überlebte dort den Krieg und lebte weiter in Leipzig, wo sie am 2.7.1991 in einem Altersheim in der Bornaischen Str. starb (*DuW,S.88). Ihr Mann Paul kam, weil er gegenüber den Nazis zu ihr stand 1944 ins Konzentrationslager Osterode und überlebte dort. In der Lützner Str.17 lebte Selma Dennhardt. Im gleichen Hause Rywka Lemdon (Hausdame). In der Nummer 27 Hugo Bannaß, von Beruf Kaufmann. In der Gotzkowskystr.1 (ab 1.4.1915), später in der Lützner Str.133 (ab 1.2.1924) lebte Hermann Mosberg (*20.6.1879 in Wien) mit seiner Frau Corinna(?) Mosberg (*4.3.1890 in Leipzig, geb. Wiedemann) und den Kindern Johanna (*21.10.1912, 1914 gest.?) und Walter (*15.12.1916), sie wurden am 28.10.1938 nach Krakau abgeschoben. Walter Mosberg besuchte die 45. Volksschule. In der Lützner Str.129 lebte die Schneiderin Helene Lea Beer (*6.6.1891 in Chotin, Österreich-Polen, geb. Reig), sie musste als Zwangsarbeiterin arbeiten, kam in das „Judenhaus“ Humboldtstr.10 und wurde am 21.1.1942 nach Riga deportiert, wo sie verschollen ist. Sie war geschieden, eine Tochter konnte noch emigrieren.

Luppenstraße

In der Luppenstr.9 wohnte Abraham Leder (Kaufmann). In der Hausnummer 26 wohnte Ernestine Adler, eine Witwe. In der Nummer 28 lebte Heinrich Ardel (Kaufmann). Im selben Haus wohnte Leib Berger, ebenfalls Kaufmann von Beruf. Dort lebte auch Elias Broder (Inhaber einer Metallwarenfabrik Broder & Sohn in der Luppenstr.28), in Judaica Lipsiensa (S.202) wird über seine Verhaftung am 10.11.1938 berichtet. Auch lebten dort Sophie Exelbirt (Witwe) und Samuel Metzger (recte Bernstein), ein Vertreter.

Merseburger Straße

In der Merseburger Str.27 (später Ranstädter Steinweg 49) lebte Arnold Hammerstein (*15.3.1892 in Berlin), ein Kaufmann und Bücherrevisor. Er musste als Zwangsarbeiter in Leipzig beim Baubetrieb Böhmelt arbeiten, kam schließlich in das Judenhaus Packhofstr.1. Er war mit einer nichtjüdischen Ehefrau verheiratet, seine Geschwister konnten noch emigrieren. Er wurde am 10.11.1938 im Rahmen einer „Sonderaktion“ verhaftet und nach Buchenwald deportiert, wurde jedoch ende November 1938 wieder entlassen, da er im 1.Weltkrieg ausgezeichnet worden war. Er wurde schließlich am 22.3.1943 verhaftet und am 10.4.1943 nach Auschwitz deportiert, wo er umkam. Sein Sohn Sascha Hammerstein wurde 1945 nach Theresienstadt deportiert und überlebte. Eine Tochter, Ester Sonja Hammerstein (*13.5.1925 in Leipzig), musste Zwangsarbeit als Pelznäherin leisten, auf der Transportliste vom 10.5.1942 gestrichen, aber dennoch nach Belzyce deportiert und dort gestorben. Die andere (Halb-)schwester, als Tochter der Mutter mit einem nichtjüdischen Mann, sollte schließlich aus der Familie gerissen werden, zog dann zu den Eltern der Mutter nach Plagwitz und floh schließlich aus Deutschland mit einem jüdischen Freund nach Ungarn, dann Griechenland. Ihr Mann und ihr Kind wurden später von den Nazis umgebracht, sie selbst nach Auschwitz und Bergen-Belsen deportiert, sie überlebte (*DuW, S.157). In der Hausnummer 41 wohnte der Tierarzt Ignaz Pester mit Familie. Den Namen seiner Frau kenne ich nicht, die Kinder lebten vermutlich auch dort (früher gemeldet in der Merseburger Str.35): Ruth Pester (*12.10.1924) und Sigmar Pester (*11.1.1929). In der Merseburger Str.82 lebte Ilse Hamburger (Verkäuferin). Im selben Haus wohnte Max Silberstein (*13.4.1874 in Berlin) mit seiner Frau. Er war Kaufmann und Inhaber eines Kaufhauses, musste Zwangsarbeit leisten als Lederstrecker. Sein Bruder konnte emigrieren. Seine Frau und er wurden am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert (vorher Abschluss eines Heimeinkaufsvertrags), wo Max Silberstein am 4.5.1943 umkam. Seine Frau Margarete Silberstein (*20.4.1886 in Strelno, Provinz Posen, geb. Markowitz) arbeitete auch zuerst als Zwangsarbeiterin, wurde dann nach Theresienstadt und später, am 9.10.1944 nach Auschwitz deportiert, wo sie verschollen ist. In der Merseburger Str.84 befand sich seit 1913 das Kaufhaus Held, gegründet durch die Brüder Albert und Moritz Held. Sie hatten schon seit 1906 ein Geschäft in der Albertstr.65. Von 1913 bis 1926 lebten und arbeiteten sie im Kaufhaus Held in der Merseburger Str.84, 1918 heiratete Albert Held die Frankfurterin Bedina Held (sie bekamen später 2 Kinder, Peter und Edith), Moritz Held heiratete 1921 Hilde Kleeblatt aus Warburg. Weitere Brüder zogen ebenfalls nach Leipzig, Max und Leopold. Ihr Bruder Max Held eröffnete ebenfalls 1931 ein Kaufhaus in der Hirzelstr.1a. Nachdem die Kinder der Helds schon ab 1935 nach England zur Schule gingen, folgten die Eltern bald. Sie mussten das Kaufhaus 1938 verkaufen und emigrierten im April 1938. Max Held wurde noch während des Novemberpogroms verhaftet, konnte jedoch ebenfalls noch im April 1939 nach England emigrieren, zusammen mit Leopold Held zog er bald weiter nach Chile. Der Sohn Peter Held eröffnete in England eine Schnürsenkelfabrik, später Industrietextilunternehmen. In der Merseburger Str.94 lebte und arbeitete der Arzt Dr. Gustav Rosenthal, seine Frau war wohl eine Tochter des Schuhwarenhändlers Isidor Baer (der auch ein Geschäft in Lindenau hatte) und die Familie war mit Albert Held (dem Inhaber des Kaufhaus Held in Lindenau) gut befreundet. Gustav Rosenthal konnte wohl 1939 noch emigrieren (*JuL). In der Hausnummer 103-105 lebte Felix Cohn (Kaufmann) und Johanna Cohn (Witwe).

Rietzschelstraße

In der Rietzschelstr.51 wohnte Johanna Litmanowitsch.

Roßmarktstraße

In der Roßmarktstr.9 lebte Siegfried Samuel (*17.8.1883 in Neumittelwalde, Schlesien), ein Kaufmann und Angestellter. Er musste Zwangsarbeit bei der Müllentsorgung und im Tiefbau in Leipzig leisten, musste schließlich in das Judenhaus in der Humboldtstr.10. Er wurde am 12.11.1938 im Rahmen einer „Sonderaktion“ verhaftet und am 21.1.1942 nach Riga deportiert. Er war dort Ältestenrat der Sachsen im Ghetto von Riga, wird in „Der letzte Weg“ erwähnt, wie er Gerda Gottschalk hilft (*DlW,S.62). Nach 1943 gilt er als verschollen. Seine Frau Kunigunde Samuel (*4.11.1884 in Breslawitz, Schlesien, geb. Jacobowitz) war Putzmacherin. Ihre Schwester war Julie Pincus, Angestellte bei der Kleiderkammer der Israelitischen Religionsgemeinde, die 1943 in Auschwitz verschollen ist. Ein Sohn von Siegfried und Kunigunde Samuel konnte emigrieren. Kunigunde Samuel wurde wie ihr Mann am 21.1.1942 nach Riga deportiert und ist dort verschollen.

Siemeringstraße

In der Siemeringstr.2 (später JH Lortzingstr.12) wohnte Carl Lennhoff (*12.8.1881 in Frankfurt a.M.). Er war Kaufmann und Angestellter der Israelitischen Religionsgemeinde. Er wurde am 11.11.1938 im Rahmen einer „Sonderaktion“ verhaftet und nach Buchenwald deportiert, wo er am 27.11.1938 umkam. Seine Frau Toni Lennhoff (*5.2.1891 in Wreschen, Provinz Posen, geb. Engelmann) kam erst nach 1935 aus Breslau nach Leipzig und wurde am 21.1.1942 nach Riga deportiert, wo sie verschollen ist.

Uhlandstraße

In der Uhlandstr.26 wohnte Moses Fischel (Kaufmann), zeitweilig zusammen mit seiner Tochter Elvira und dessen Mann Josef Kohs und deren Sohn Heinz Detlef.

Namensverzeichnis

Adler, Anna ; Witwe ; Demmeringstr.79

Adler, Ernestine ; Witwe ; Luppenstr.26

Alexander, Walter ; Kürschner ; Diakonissenstr.4

Ardel, Heinrich ; Kaufmann ; Luppenstr.28

Bacher, Sidonie ; Witwe ; Lionstr. 9-11

Baer, Isidor ; Inhaber Schuhgeschäft ; Holteistr.28

Bannaß, Hugo ; Kaufmann ; Lützner Str.27

Beer, Helene Lea ; Schneiderin ; Lützner Str.129

Berger, Leib ; Kaufmann ; Luppenstr.28

Bethaus ; Aurelienstr.14

Borchheim, Viktor ; Kaufmann ; Leutzscher Str.69

Boritzer, Georg ; Schneider ; Aurelienstr.14

Boritzer, Salomon ; Handelsmann ; Aurelienstr.14

Boritzer, Arno ; Schüler ; Aurelienstr.14

Boritzer, Sulamid Renate ; Kind ; Aurelienstr.14

Broder, Elias ; Kaufmann ; Luppenstr.28

Cohn, Felix ; Kaufmann ; Merseburger Str.103-5

Cohn, Johanna ; Witwe ; Merseburger Str.103-5

Dennhardt, Selma ; Lützner Str.17

Dessau, Isaak ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 12

Dessau, Joachim ; Schüler ; Lindenauer Markt 12

Dessau, Manfred ; Schüler ; Lindenauer Markt 12

Exelbirt, Sophie ; Witwe ; Luppenstr.28

Fischel, Moses ; Kaufmann ; Uhlandstr.26

Förster, Selig ; Händler ; Lützner Str.106

Geyer, Lieselotte ; Verkäuferin ; Angerstr.5

Goldmann, Isaak ; Handlungsgehilfe ; Karl-Heine-Str.43

Gottschalk, Gerda ; Sekretärin des Oratoriums der Liebfrauenkirche ; Karl-Heine-Str.110 (Arbeitsort)

Gulkowitzsch, Lazar Dr. phil. ; Privatdozent ; Demmeringstr.58

Gunkel, Theo ; Pfarrer der Liebfrauenkirche ; Karl-Heine-Str.110 (Arbeitsort)

Held, Albert ; Kaufhaus-Inhaber ; Merseburger Str.84 (bis 1926, später Springerstr.18)

Held, Bedina ; Frau von Albert Held ; Merseburger Str.84

Held, Edith ; Tochter von Albert und Bedina Held

Held, Hilde ; Frau von Moritz Held ; Merseburger Str.84

Held, Leopold ; Bruder von A. und M. Held ; Stieglitzstr.

Held, Max ; Bruder von A. und M. Held, ab 1931 Kaufhaus-Inhaber Hirzelstr. ; Wettiner Str.

Held, Moritz ; Kaufhaus-Inhaber ; Merseburger Str.84 (bis 1926, später Karl-Heine-Str.26a)

Held, Peter ; Sohn von Albert und Bedina Held ; Merseburger Str.84

Held, Samuel ; Vater von A. und M. Held ; Stieglitzstr.

Held, Werner ; Sohn von Max Held

Hamburger, Ilse ; Verkäuferin ; Merseburger Str.82

Hammerstein, Arnold ; Kaufmann ; Merseburger Str.27

Hammerstein, Ester Sonja ; Schülerin ; Merseburger Str.27

Hammerstein, Sascha ; Kind ; Merseburger Str.27

Heilmann, Elsa ; Leutzscher Str.59

Heinemann, Rudolf Dr. jur. ; Kaufmann ; Lützner Str.70

Hoffmann, Jakob ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.71

Joske, Clara ; Frau von Hans Joske ; Ziegelstr.1

Joske, Gideon (später Bar-Joseph, Gideon) ; Sohn von Hans und Clara Joske ; Ziegelstr.1

Joske, Hans ; Kaufhaus-Inhaber ; Ziegelstr.1

Joske, Julius ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.29

Joske, Max ; Bäcker, Kaufhaus-Inhaber ; Karl-Heine-Str.43

Joske, Ruth ; Tochter von Hans und Clara Joske ; Ziegelstr.1

Juliusberger, Hans ; Geschäftsführer ; Lindenauer Markt 12

Kaufhaus Held ; Merseburger Str.84

Kirschbaum, Käthe ; Kontoristin ; Calvisiusstr.31

Kohs, Elvira (geb.Fischel) ; Uhlandstr.26 (bei Fischel), später Lindenauer Markt 12 (bei Cohn)

Kohs, Josef (*1900) ; Uhlandstr.26 (bei Fischel), später Lindenauer Markt 12 (bei Cohn)

Kohs, Heinz Detlef (*1927) ; Uhlandstr.26 (bei Fischel), später Lindenauer Markt 12 (bei Cohn)

Kohs, Michael (*1936) ; Uhlandstr.26 (bei Fischel), später Lindenauer Markt 12 (bei Cohn)

Kohs, Leon ; Kaufmann ; Kaiserstr.3

Kormes, Ida Frieda ; Verkäuferin ; Leutzscher Str.38

Kormes, Julius Manfred ; Schüler ; Leutzscher Str.38

Kormes, Rudolf ; Kürschner/Geschäftsinhaber ; Leutzscher Str.38

Kraft, Selmar ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 10

Leder, Abraham ; Kaufmann ; Luppenstr.9

Lemdon, Rywka ; Hausdame ; Lützner Str.17

Lennhoff, Carl ; Angestellter ; Siemeringstr.2

Lennhoff, Toni ; JH Lortzingstr.12

Litmanowitsch, Johanna ; Rietzschelstr.51

Löwe, Curt ; Vertreter ; Calvisiusstr.20a

Lotrowsky, Anna ; Händlerin ; Josephstr.7

Lotrowsky, Aisik ; Bäcker ; Josephstr.7

Lotrowsky, Ida Jetty ; Händlerin ; Josephstr.7 *MoG

Markowitsch, Gusta ; Verkäuferin ; Birkenstr.8

Markowitsch, Malke ; Geschäftsinhaber ; Birkenstr.8

Markowitsch, Martha (später verh. Klapisch) ; Birkenstr.8

Markowitsch, Samuel ; Birkenstr.8

Melmann, Max ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 19a

Melmann, Flora ; Witwe ; Lindenauer Markt 19a

Melmann, Moses ; Reisender ; Lindenauer Markt 19a

Menn, Dina Dora ; Witwe ; Josephstr.51

Metallwarenfabrik Broder & Sohn ; Luppenstr.28

Metzger recte Bernstein, Samuel ; Vertreter ; Luppenstr.28

Meyer, Abraham ; Abteilungsleiter ; Hahnemannstr.2

Meyer, Bertha ; Witwe ; Hahnemannstr.2

Mosberg, Hermann ; Lützner Str.133

Mosberg, Corinna ; Lützner Str.133

Mosberg, Johanna ; Kind ; Lützner Str.133

Mosberg, Walter ; Kind ; Lützner Str.133

Münzer, Hans ; Abteilungsleiter ; Lützner Str.70

Oelsner, Johanna ; Lindenauer Markt 22

Oelsner, Richard ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 22

Oelsner, Wilhelm ; Portefeuiller ; Lindenauer Markt 22

Ornstein, Friedel ; Kaiserstr.3

Pergamenter, Gerda ; Filialleiterin ; Karl-Heine-Str.57

Pergamenter, Werner ; Vertreter ; Karl-Heine-Str.57

Pester, Ignatz ; Tierarzt ; Merseburger Str.41

Pester, Ruth ; Schülerin ; Merseburger Str.35

Pester, Sigmar ; Schüler ; Merseburger Str.35

Ptaschek, Schilem Dr. ; Arzt ; Birkenstr.8

Richheimer, Theodor ; Bankbeamter ; Lützner Str.60

Rimmler, Salomon ; Kaufmann ; Lützner Str.106

Rosenfeld, Meier ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.47

Rosenfeld, Henny ; Witwe ; Karl-Heine-Str.47

Rosenfeld, Israel ; Kaufmann, Karl-Heine-Str.47

Rosenthal, Gustav Dr. ; Arzt ; Merseburger Str. 94

Salberg, Jakob ; Händler ; Demmeringstr.9

Salberg, Adolf ; Schüler ; Demmeringstr.9

Salberg, Georg ; Schüler ; Demmeringstr.9

Samuel, Kunigunde ; Putzmacherin ; Roßmarktstr.9

Samuel, Siegfried ; Angestellter ; Roßmarktstr.9

Sander, Jacques ; Kaufmann ; Birkenstr.30

Scherf, Karoline ; Lützner Str.7

Scherf, Paul ; Lehrer ; Lützner Str.7 (früher Schadowstr.3)

Schmerl, Martha ; Demmeringstr.19

Schuh-Baer ; Schuhgeschäft ; Gundorfer Str. (später Georg-Schwarz-Str.)

Sieradzki, Aron ; Kaufmann ; Demmeringstr.21

Silberstein, Margarete ; Merseburger Str.82

Silberstein, Max ; Kaufmann ; Merseburger Str.82

Stern, Paul ; Bibliothekar, Übersetzer ; Karl-Heine-Str.110 (Arbeitsort)

Stern, Willi ; Bürochef ; Lützner Str.70

Tänzer, I. ; Tapezierer ; Angerstr.13 ; Anzeige

Wasserlauf, Samuel ; Maler ; Aurelienstr.37

Weigler, Adolf ; Kaufmann ; Angerstr.18

Weinwurzel, Josef ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.57

Weiss, Meta Anna ; Karl-Heine-Str.56b

Weiss, Moritz ; Schneidermstr. ; Karl-Heine-Str.56b

Wittelson, Rosa ; Geschäftsinhaberin ; Kaiserstr.9

Wittelson, Sally ; Kürschner ; Kaiserstr.9

Literaturverzeichnis

Bertram, Ellen: Menschen ohne Grabstein : die aus Leipzig deportierten und ermordeten Juden / Ellen Bertram. Hrsg. von Rolf und Brigitte Kralovitz in Verbindung mit der Ephraim Carlebach Stiftung und der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.- Leipzig: Passage-Verl., 2001.- 255 S.-

ISBN 3-932900-51-0

Verzeichnis der aus Leipzig deportierten Juden 1942-1945

Enth.: S.20 Gunkel, Theodor ; Gottschalk, Hermann ; Verhaftung ; Geschichte 9.11.1939 / S.21 Gottschalk, Gerda ; Verhaftung ; Geschichte 1941 / S.23 Gunkel, Theodor ; Gülden, Josef ; Gottschalk, Gerda ; Oratorium des Heiligen Philipp Neri ; Fluchthilfe ; Geschichte 1944 / S.31 Gottschalk, Gerda ; Riga ; Deportation ; Geschichte 1942 / S.32 Samuel, Siegfried ; Riga ; Ghetto ; Ältestenrat ; Geschichte 1941 / S.33 Gottschalk, Gerda ; Lager Strasdenhof ; Hansen, Dora ; Tagebuch ; Geschichte 1943 / S.34 Gottschalk, Gerda / S.46 Stern, Paul ; Bibliothek ; Oratorium des Heiligen Philipp Neri ; Geschichte 1944 / S.56 Alexander, Walter ; Diakonissenstr.4 ; Kurzbiografie / S.60 Baltuch? / S.63 Beer, Helene Lea ; Lützner Str.129 ; Kurzbiografie / S.72 Borchheim, Viktor ; Leutzscher Str.69 / S.111 / S.117f Hammerstein, Arnold ; Hammerstein, Ester Sonja ; Merseburger Str.27 ; Kurzbiografie / S.144 Kormes, Ida Frieda ; Kormes, Rudolf ; Leutzscher Str.38 / S.153 Lennhof, Carl ; Lennhof, Toni ; Siemeringstr.2 ; Kurzbiografie / S.162 Lotrowsky, Ida Jetty ; Josephstr.7 ; Kurzbiografie / S.168 Melmann, Flora ; Lindenauer Markt 19 ; Kurzbiografie ; Melmann, Max M. ; Lindenauer Markt 19 ; Kurzbiografie / S.169 Menn, Dina Dora ; Josephstr.51 ; Kurzbiografie / S.169 Meyer, Bertha ; Hahnemannstr.2 ; Kurzbiografie / S.182 Oelsner, Richard ; Lindenauer Markt 22 ; Kurzbiografie ; Oelsner, Wilhelm B. ; Lindenauer Markt 22 ; Kurzbiografie ; Oelsner, Johanna ; Lindenauer Markt 22 ; Kurzbiografie / S.207 Samuel, Siegfried ; Roßmarktstr.9 ; Kurzbiografie ; Samuel, Kunigunde ; Roßmarktstr.9 ; Kurzbiografie / S.219 Silberstein, Max ; Merseburger Str.82 ; Kurzbiografie ; Silberstein, Margarete ; Merseburger Str.82 ; Kurzbiografie / S.242 Weiss, Meta A. ; Karl-Heine-Str.56b ; Kurzbiografie

Geteilte Erinnerungen : Jugend in Leipzig unterm Hakenkreuz ; Schüler fragen – Zeitzeugen berichten / Hrsg.: Schulmuseum.- Leipzig : Passage-Verl., 2006.- 319 S. : zahlr. Ill.

Briefwechsel von Leipziger Schülern mit ehemaligen jüdischen Bewohnern Leipzigs und Interviews mit deutschen Zeitzeugen

Enth.: S.85 Nachbarschaftsschule Lindenau / S.99 Nachbarschaftsschule Lindenau / S.112 Nachbarschaftsschule Lindenau / S.161 Kralovitz, Rolf ; Busdepot Lindenau ; Geschichte 17.5.1945 / S.199 Brückner, Hannelore ; Saalfelder Str. ; Katholische Schule ; Schliessung ; BDM-Heim ; Geschichte 1933-1945 / S.201 Kaufhaus Held ; Enteignung ; Kaufhaus Gohlisch / S.203 Baumwollspinnerei ; Saalfelder Str. / S.214 Angerbrücke ; Kriegsgefangene ; Geschichte 1945 / S.215 Elten, Gerda / Westbad / S.216 Kindergarten ; Demmeringstr.

Gottschalk, Gerda: Der letzte Weg / Gerda Gottschalk.- Konstanz : Südverl., 1991.- 168 S.

ISBN 3-87800-010-3

Gerda Gottschalk arbeitete als Schauspielerin und konnte 1936 als Tochter eines jüdischstämmigen Vaters nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, trat eine Stelle als Sekretärin beim damaligen Kaplan an der (katholischen) Liebfrauengemeinde Josef Gülden an, wurde 1941 verhaftet und 1942 nach Riga deportiert, schliesslich gelang ihr 1944 durch Vermittlung Güldens die Flucht nach Dänemark.

Enth.: Enth.: S.5-8 Gülden, Josef ; Gottschalk, Gerda ; Vorwort ; Geschichte 1936-1945 / S.5 Gottschalk, Gerda ; Liebfrauengemeinde ; Sekretärin ; Geschichte 1936 / S.6 Katholische Polizistin ; SS ; Gülden, Josef / Hansen, Dora ; Deportation / S.8 Gottschalk, Gerda ; Der letzte Weg ; St.-Benno-Verlag ; Geschichte 1962 / S.12 Gottschalk, Gerda ; Arbeit ; Oratorium des Heiligen Philipp Neri ; Sekretärin /S.18 Gülden, Josef ; Katholische Polizistin ; Brief ; Arbeitshaus ; Riebeckstraße ; Geschichte 1941 / S.21 Riga ; Deportation ; Geschichte 21.1.1942 / S.22 Fleischer, Curt ;Deportation / S.28 Eisen, Helga ; Eisen, Irmgard ; Gottschalk, Helga ; Ilberg, Ernst ; Zickmann, Cilly ; Hansen, Dora ; Kommando Kriegsweg / S.34 Sachsenhaus ; Tote ; Geschichte Februar 1942 / S.38 Ilberg, Ernst ; Fleischer, Hans ; Fleischer, Curt ;Konzentrationslager Salaspils ; Geschichte 1942 / S.50 Riga ; Ghetto ; Aufstand ; Geschichte 1942 / S.52 Weihnachten ; Hansen, Dora ; Geschichte 1942 / S.59 Kasernierung Lenta ; Sch. <Obersturmführer> ; Tarnunternehmen ; Geschichte 1943 / S.62 Samuel, Siegfried ; Riga ; Ältestenrat / S.63 Gewerbebetrieb Straßdenhof ; Zwangsarbeit / S.76 Jüdische Kinder ; Ermordung ; Kaiserwald ; Kern, Hella ; Kern, Sara ; Kern, Max ; Geschichte März 1944 / S.82 Gottschalk, Helga ; Brief ; Geschichte Februar 1944 / S.96 Konzentrationslager Straßdenhof ;Massenmord ; Geschichte Juli 1944 / S.101 Deportation ; Konzentrationslager Stutthoff bei Danzig ; Geschichte August 1944 / S.107 Gülden, Josef ; Stutthoff ; Brief / S.110 Gülden, Josef ; Brief / S.113 Gülden, Josef ; Mittnacht, Karl ;Pfürtner, Hubertus ; Gottschalk, Gerda ; Flucht / S.115 Gottschalk, Gerda ; Stutthoff ; Flucht / S.128-139 Hansen, Dora ; Tagebuch / S.140 Lange, Bernd-Lutz ; Gunkel, Theodor ; Scherf, Karoline ; Gottschalk, Gerda ; Gülden, Josef ; Bekanntschaft / S.141f Gottschalk, Gerda ; Oper ; Wigman, Mary ; Geschichte 1945-1952 / S.150 Pfürtner, Stephan ; Gülden, Josef ; Brief ; Geschichte 1944 / S.156 Pfürtner, Stephan ; Gottschalk, Gerda ; Stutthoff ; Treffen

Judaica Lipsiensa : zur Geschichte der Juden in Leipzig / Hrsg. von der Ephraim-Carlebach-Stiftung.[Red.:Manfred Unger].- Leipzig: Ed. Leipzig, 1994.- 322 S. : Ill.

ISBN 3-36100423-3

Umfassender Sammelband zu verschiedenen Themen der Leipziger jüdischen Geschichte.

Enth.: S.47 Held, Betty / S.117 Rosenthal, Gustav ; Merseburger Str.94 ; Arzt ; Emigration ; Geschichte 1939 / S.189 Held, Albert ; England ; Geschichte 1938 / S.202 Broder, Elias ; Luppenstr.28 ; Metallwarenfabrik Broder & Sohn ; Verhaftung ; Geschichte 10.11.1938 / S.206 Fussnote 49 ; KZ Buchenwald ; Ermordung ; Lennhoff, Karl (?Carl?) ; Geschichte 1939 / S.265 Stern, Paul

Juden in Leipzig : eine Dokumentation zur Ausstellung anläßlich des 50. Jahrestages der faschistischen Pogromnacht ; im Ausstellungszentrum der Karl-Marx-Universität Leipzig, Kroch-Hochhaus, Goethestr.2, vom 5.November bis 17. Dezember 1988 / Hrsg.: Rat des Bezirkes Leipzig…Bearb.: Manfred Unger ; Hubert Lang.- Leipzig : Rat des Bezirkes Leipzig, 1989.- 239 S. : zahlr. Ill.

Dokumentation zu Schicksalen und Widerstand, mit vielen Abbildungen anläßlich des 50. Jahrestags der Pogromnacht.

Enth.: S.22 KJVD ; Kommunistischer Jugendverband ; Gruppe Stadtteil Zentrum ; Kleinmesse ; Geschichte 1934 ; Gottschalk, Erica / S.26 Leipziger Baumwollspinnerei ; Zwangsarbeit ; Geschichte 1939 / S.83 Kaufhaus Gebr. Held ; Eröffnung ; Anzeige / S.109 Kaufhaus Held ; Kaufhaus Joske ; Foto <1933> ; Boykott / S.141 Betstuben ; Angerstr.49 / Firmenverzeichnis ; Kaufhaus Gebr. Held ; Merseburger Str.84 / Kaufhaus Joske ; Karl-Heine-Str.44 / S.177 Polizeibericht ; Geschichte November 1938 ; Gleitsmann, Otto ; Demmeringstr.61 ; Festnahme ; Scheibner, Maria ; Leipziger Baumwollspinnerei ; Lützner Str.8 / S.191 Gottschalk, Gerda ; Gülden, Josef ; Flucht ; KZ Stutthoff ; Geschichte 1944 / S.194 Gottschalk, Gerda ; Foto ; Gottschalk, Helga / S.199 Stern, Paul ; Biografie ; Gülden, Josef ; Bibliothek ; Gedicht

Lange, Bernd-Lutz: Davidstern und Weihnachtsbaum : Erinnerungen von Überlebenden / Bernd-Lutz Lange.- Leipzig : Forum Verl., 1994.- 270 S. : zahlr. Ill.

ISBN 3-86151-034-0

Enth.: S.65 Konzentrationslager Buchenwald ; Rückkehr ; Geschichte 1945 / S.72 Glaser, Alfred ; Biografie ; Kleinmesse ; Seifert, Oskar / S.75 Felsenkeller ; Geschichte 1930-1935 / S.88ff Scherf, Karoline ; Biografie; Scherf, Paul ; Lehrer ; Schadowstr.3 ; Gunkel, Theodor ; Karl-Heine-Str.110 ; Spitzer, <Geschwister> ; Friedrich-August-Str.29 / S.90 Scherf, Karoline ;Eltern ; Emigration ; USA ; Geschichte 12.7.1939 / S.91 Scherf, Paul ; Verhaftung ; Konzentrationslager Osterode ; Geschichte 1944 / S.93ff Liebfrauenkirche ; Gunkel, Theodor <Pfarrer> ; Gülden, Josef <Kaplan> ; Gottschalk, Gerda / S.94 Jüdin ; Ärztin ; Selbstmord / S.95 Stern, Paul ; Deportation / Littauer, Käthe ; Breidert, Paul ; Bibliothek ; Diebstahl / S.97 Pfarrchronik ; Oratorium des Heiligen Philipp Neri ; Geschichte April 1945 / S.98 Gunkel, Theodor ; Tagebuch / S.157ff Hammerstein, Sascha ; Hammerstein, Arnold ; Hammerstein, Ester ; Pogromnacht / S.159 Hammerstein, Arnold ; Hammerstein, Ester ; Deportation / S.160 Hammerstein, Sascha ; Deportation ; Geschichte 12.2.1945 / S.165ff Kaufhaus Gebrüder Held; Geschichte 1920-1988 ; Panther / S.166 Weihnachten ; Queckstr. ; Spende / Charlottenhof / S.167 Held, Albert ; Held, Moritz ; Abschiedsrede ; Geschichte 1938 / S.169 Held, Leopold ; Matthes, Martin <Frisör> ; Betriebsfussballmannschaft ; Biografie / S.170ff Warenhaus M. Joske & Co. ; Bar-Joseph, Gideon ; Joske, Max ; Karl-Heine-Str.43-45 ; Geschichte 1900-1941 / Bäckerei ; Joske, Max ; Karl-Heine-Str.43 / Joske, Julius ; Joske, Hans ; Mitinhaber ; Geschichte 1925 / Haller, Wilhelm <Architekt> ; Neubau ; Geschichte 1929 / Pogrom ; Boykott ; Geschichte 1.4.1933 / S.171 Kaufhaus Joske ; Zwangsliquidation ; Geschichte 1934 / Joske, Julius ; Joske, <Frau von Julius> ; Joske, Hans ; Emigration ; Geschichte 1939 / Joske, Kläre (Joske, Clära) <Frau von Hans Joske, Mutter von Gideon Bar-Joseph> ; Joske, Ruth <Tochter von Hans und Kläre Joske> ; Deportation ; Geschichte 13.7.1941 / S.187 Wenzel, Liane ; Schwimmer, Max ; Polizeipräsident ; Geschichte 1945 / S.203ff Markowitsch, Samuel ; Emigration ; Russland ; Birkenstr.8 ; Klapisch, Martha ; Biografie / S.206 Klapisch, Jascha ; Kind ; Ermordung / S.176 Baer, Isidor ; Schuhladen ; Holteistr.28 ; Stühle ; Schuhladen ; Georg-Schwarz-Str.

im Text als „DuW“ zitiert

Leipziger jüdisches Jahr- und Adressbuch 1933 / mit einem Vorw. von Rolf Kralowitz.- Reprint der Ausg. Leipzig 1933.- Berlin : arani-Verl., 1994.- [3], 90 S.

ISBN 3-7605-8663-5

Jüdisches Adressbuch aus Leipzig 1933 mit Namen, Adresse, Berufsbezeichnung

Enth.: S.9 Adler, Anna ; Witwe ; Demmeringstr.79 / Adler, Ernestine ; Witwe ; Luppenstr.26 / Alexander, Walter ; Kürschner ; Diakonissenstr.4 / S.10 Ardel, Heinrich ; Kaufmann ; Luppenstr.28 / Bacher, Sidonie ; Witwe ; Lionstr. 9-11 / S.11 Bannaß, Hugo ; Kaufmann ; Lützner Str.27 / S.12 Berger, Leib ; Kaufmann ; Luppenstr.28 / S.14 Boritzer, Georg ; Schneider ; Aurelienstr.14 / Boritzer, Salomon ; Handelsmann ; Aurelienstr.14 / S.15 Broder, Elias ; Kaufmann ; Luppenstr.28 / S.16 Cohn, Felix ; Kaufmann ; Merseburger Str.103-5 / Cohn, Johanna ; Witwe ; Merseburger Str.103-5 / S.17 Dennhardt, Selma ; Lützner Str.17 / Dessau, Isaak ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 12 / S.19 Exelbirt, Sophie ; Witwe ; Luppenstr.28 / S.20 Fischel, Moses ; Kaufmann ; Uhlandstr.26 / S.21 Förster, Selig ; Händler ; Lützner Str.106 / S.23 Geyer, Lieselotte ; Verkäuferin ; Angerstr.5 / S.24 Goldmann, Isaak ; Handlungsgehilfe ; Karl-Heine-Str.43 / S.26 Gulkowitzsch, Lazar Dr. phil. ; Privatdozent ; Demmeringstr.58 / S.27 Hamburger, Ilse ; Verkäuferin ; Merseburger Str.82 / Hammerstein, Arnold ; Kaufmann ; Merseburger Str.27 / S.28 Heilmann, Elsa ; Leutzscher Str.59 / Heinemann, Rudolf Dr. jur. ; Kaufmann ; Lützner Str.70 / S.30 Hoffmann, Jakob ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.71 / S.32 Joske, Julius ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.29 / Juliusberger, Hans ; Geschäftsführer ; Lindenauer Markt 12 / S.34 Kirschbaum, Käthe ; Kontoristin ; Calvisiusstr.31 / S.35 Kohs, Leon ; Kaufmann ; Kaiserstr.3 / S.36 Kraft, Selmar ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 10 / S.38 Leder, Abraham ; Kaufmann ; Luppenstr.9 / Lemdon, Rywka ; Hausdame ; Lützner Str.17 / Lennhoff, Carl ; Angestellter ; Siemeringstr.2 / S.40 Litmanowitsch, Johanna ; Rietzschelstr.51 / S.41 Löwe, Curt ; Vertreter ; Calvisiusstr.20a / Lotrowsky, Anna ; Händlerin ; Josephstr.7 / Lotrowsky, Aisik ; Bäcker ; Josephstr.7 / S.42 Markowitsch, Gusta ; Verkäuferin ; Birkenstr.8 / Markowitsch, Malke ; Geschäftsinhaber ; Birkenstr.8 / S.43 Mehlmann, Max ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 19a / Melmann, Flora ; Witwe ; Lindenauer Markt 19a / Melmann, Moses ; Reisender ; Lindenauer Markt 19a / Menn, Dina ; Josephstr.51 / Metzger recte Bernstein, Samuel ; Vertreter ; Luppenstr.28 / S.44 Meyer, Abraham ; Abteilungsleiter ; Hahnemannstr.2 / S.45 Münzer, Hans ; Abteilungsleiter ; Lützner Str.70 / S.47 Oelsner, Richard ; Kaufmann ; Lindenauer Markt 22 / Oelsner, Wilhelm ; Portefeuiller ; Lindenauer Markt 22 / S.48 Ornstein, Friedel ; Kaiserstr.3 (???) / Pergamenter, Gerda ; Filialleiterin ; Karl-Heine-Str.57 / Pergamenter, Werner ; Vertreter ; Karl-Heine-Str.57 / Pester, Ignatz ; Tierarzt ; Merseburger Str.41 / Ptaschek, Schilem Dr. ; Arzt ; Birkenstr.8 / S.51 Richheimer, Theodor ; Bankbeamter ; Lützner Str.60 / Rimmler, Salomon ; Kaufmann ; Lützner Str.106 / S.52 Rosenfeld, Meier ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.47 / Rosenfeld, Henny ; Witwe ; Karl-Heine-Str.47 / Rosenfeld, Israel ; Kaufmann, Karl-Heine-Str.47 / Rosenthal, Gustav Dr. ; Arzt ; Merseburger Str. 94 / S.54 Salberg, Jakob ; Händler ; Demmeringstr.9 / Samuel, Siegfried ; Angestellter ; Roßmarktstr.9 / Sander, Jacques ; Kaufmann ; Birkenstr.30 / S.55 Scherf, Karoline ; Lützner Str.7 / S.56 Schmerl, Martha ; Demmeringstr.19 / S.59 Sieradzki, Aron ; Kaufmann ; Demmeringstr.21 / Silberstein, Max ; Kaufmann ; Merseburger Str.82 / S.62 Stern, Willi ; Bürochef ; Lützner Str.70 / S.67 Wasserlauf, Samuel ; Maler ; Aurelienstr.37 / Weigler, Adolf ; Kaufmann ; Angerstr.18 / S.68 Weinwurzel, Josef ; Kaufmann ; Karl-Heine-Str.57 / Weiss, Moritz ; Schneidermstr. ; Karl-Heine-Str.56b / S.69 Wittelson, Rosa ; Geschäftsinhaberin ; Kaiserstr.9 / Wittelson, Sally ; Kürschner ; Kaiserstr.9 / S.75 Bethaus ; Aurelienstr.14 / S.82 Tänzer, I. ; Tapezierer ; Angerstr.13 ; Anzeige

Verzeichnis ehemaliger jüdischer Schüler der Leipziger Schulen

findet sich als (unveröffentlichtes?) Manuskript im Taschentuchzimmer des Schulmuseums Leipzig

Enth.: Boritzer, Arno ; Boritzer, Sulamid Renate ; Dessau, Joachim ; Dessau, Manfred ; Gerzon, Friedrich Josef (Lindenau?); Gerzon, Lothar Herbert Walter (Lindenau?) ; Kohs, Josef ; Kohs, Elvira ; Kohs, Heinz Detlef ; Kohs, Michael ; Kormes, Rudolf ; Kormes Julius Manfred ; Mosberg, Hermann ; Mosberg, Corinna ; Mosberg, Johanna ; Mosberg, Walter ; Pester, Ruth ; Pester, Sigmar ; Salberg, Adolf ; Salberg, Georg

Da zur Rekonstruktion von vergangener Wirklichkeit manchmal auch die Roman-Literatur von Nutzen ist, sei hier noch auf die bekanntesten Darstellungen des jüdischen Alltags in Leipzig in den zwanziger und dreissiger Jahren hingewiesen:

Agnon, Samuel: Herrn Lublins Laden : Roman / Schmu’el Josef Agnon. Aus dem Hebr. und mit einem Glossar von Inken Kraft.- Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl., 1997.- 411 S.
Roman über einen jungen jüdischen Schriftsteller im Leipzig der frühen 20er Jahre
Qroytner, Simson Ya‘aqov: Die Ehrlichs : die Geschichte
einer jüdischen Familie / Simson Jakob Kreutner.- Frankfurt
am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl., 1998.- 207 S.
(Fischer ; 13673)
Biografischer Roman über die ehemals in Gohlis ansässige, jüdischen Familie Ehrlich

Eine andere stadtteilbezogene Darstellung (zum jüdischen Leben im Waldstraßenviertel) ist:

Kowalzik, Barbara: Wir waren eure Nachbarn : Die Juden im Leipziger Waldstraßenviertel / Barbara Kowalzik. Hrsg. durch die Ephraim Carlebach Stiftung Leipzig, den Bürgerverein Waldstraßenviertel und den PRO LEIPZIG.- Leipzig : Pro Leipzig, 1996.- ISBN 3-9805368-1-5


Version 0.1 der LindenauBibliografie als PDF
Juni 27, 2008, 9:32 pm
Filed under: Bibliografie, Uncategorized

Ich habe mich entschlossen, eine erste (fehlerhafte und unvollständige) Version der geplanten Bibliografie hier als PDF zugänglich zu machen. Wie gesagt, nur zu Informationszwecken!

lindenaubibliografie-0



Lindenau / Von Max Schwimmer (In: Der Drache, 2. Jg. (1921), Heft 41, S.16-19)
Juni 25, 2008, 11:23 am
Filed under: Literaturgeschichte | Schlagwörter: ,

[es folgt ein kurzer Text von Max Schwimmer, der derzeit meines Wissens nur in der Originalausgabe der Leipziger Zeitschrift Der Drache aus dem Jahr 1921 gedruckt vorliegt. Da die Zeitschrift nicht kopiert werden darf, habe ich ihn eigenhändig abgeschrieben. Schwimmer ist in Lindenau geboren, seine Eltern lebten dort. Mehr zu Max Schwimmer auf dieser Seite folgt (hoffentlich) bald, bis dahin: Kurze Biografie Max Schwimmers beim Lehmstedt-Verlag] Hier nochmal der Text in originaler Schriftart (in Fraktur)

Von Max Schwimmer

Lindenau – das muß ein Irrtum sein. Schlot an Schlot, er=

bärmlichster Vorort, aller Lieblichkeiten bar. Entsetzlicher

Gestank.

Die Armeleutegärten trauern und verkümmern unter den

Umarmungen chemischer Fabriken. Die jämmerlichen Höfe

der Häuserblocks, Aufenthalt der allzuvielen Kinder, sind

erfüllt von unerträglichen Gerüchen, die Färbereien und

Kürschnereien unbarmherzig ausatmen.

Kinder mit unwirklichen Augen, verbogenen Gliedern und

unförmigen Köpfen. Der Hunger guckt durch die schäbigen

Kleider. Husten schüttert die eingefallne Brust. Manchem

Kinde merkt man an, daß selbst das Tragen des Schulranzens

eine Zumutung ist. Abfallwässer und dürftige

___________________________________________________

Anlagen um Bedürfnisanstalten herum sind köstliche Asyle für

Spiel und Lust, bis ein Schutzmann den Zauber zerknüllt.

Zwischen Häuserblocks eingeklemmte Karuselle sind überirdisches

Ausmaß des Sonntags.

Frauen, vom Gebären verbraucht, doch schon wieder schwanger,

ziehen mit ihren Kindern ins Freie, Kamillen pflücken, auf

wirkliche Wiesen. O Ihr Wiesen der Vorstadt! Flächen mit Müll

und Unrat überladen, arg versandet, und dazwischen hartes

Gras, Kamillen und winziger Klee. Hier lungern die Arbeitslosen

Lindenaus. Billige Zigaretten und kleine Mädchen, krüll frisiert,

sind ihre Seligkeiten. Sorglos wälzen sich Liebes=

tolle hinter irgendeinem mageren Gestrüpp. Passanten nehmen

kaum Anteil.

_______________________________________________________

Fabrikschluß. Wie aus unheimlichen Schläuchen strömen Menschen

aus dunklen Fabriktoren. Zermergelte Arbeiter, verhärmte Frauen und

Mädchen, zerknüllte Leiber und verätzte Hände. Die langweiligen Fabrik=

straßen prägen sich für kurze Zeit zu großen Armeestraßen, mit jenem

unentwirrbaren Durcheinander, um. Die Menschen scheinen wahllos

durcheinander zu schreiten und zu fallen, und doch kristallisiert sich

nach und nach die Klarheit dieser Situation aus dem scheinbaren Chaos.

Einmal unwirkliches Erlebnis in der Angerstraße. Von Feierabend kommen

die Arbeiterinnen aus dem Tore einer chemischen Fabrik. Die Gesichter

und Hände noch angegriffen von der Arbeit vorher. Und doch gehen diese

einfachen Mädchen wie Heilige, jede eine Lilie in den Händen, unirdisches

Geleucht in den Augen.

_____________________________________________________________

Die Revolutionstage geben dir ein Gesicht, Lindenau, verachtetster aller

Vororte. Dann ist ein Drohen und Unheimlichsein in deinen trostlosen

Straßen. Der Trott deiner Proleten rhythmisiert sich heroisiert; liebäugeln

mit Gewehren und Handgranate. Straßen werden aufgerissen, Straßenbahnen

umgeworfen, Planken und Gatter sind nützlich zur Barrikade. In den grauen

Tag weht eine schmutzig=rote Fahne.

Mondnächte in Lindenau, süßer Kitsch. Alle Haustüren sind gefüllt. Hinschlendern

der Verliebten an Planken und Gattern, dort wo sich die Mietskasernen in trostlose

Felder verlaufen, und am Kanal lümmeln sich Männerbündler.

Aus der Kammer der einsamen Alma Müller fällt ein Lied auf die mondselige Straße:

Und mein Liebster, der geht stempeln,

Weil er keine Arbeit hat.



Buchvorstellung zu „Wolfgang Hilbig : eine motivische Biografie“ von Karen Lohse
Juni 5, 2008, 5:31 pm
Filed under: Literaturgeschichte | Schlagwörter: ,

Am Montag, dem 2.6.2008 wurde im Haus des Buches in Leipzig der erste Todestag des Schriftstellers Wolfgang Hilbig begangen. Die Literaturwissenschaftlerin Karen Lohse stellte eine kenntnisreiche Biografie zum Leben und den Leitmotiven des Schreibens von Wolfgang Hilbig vor, die von einer eingehenden Beschäftigung mit dem Umfeld und den Motiven des Schriftstellers zeugt. Die Biografie enthält auch einige Abschnitte zu Hilbigs Zeit in Leipzig. Wolfgang Hilbig war in den Siebziger Jahren bereits oft zu Besuch in der Junghanßstr. 4 (Leutzsch), wo eine kleine Künstlertruppe um den Schriftsteller Gert Neumann und seine Frau Heidemarie Härtl wohnten. Im Jahr 1984, kurz vor seiner Ausreise, wohnte Hilbig dann selbst ganz in der Nähe, in der Spittastr. 19 (in Lindenau). „Er war dort auch in den folgenden jahren gelegentlich anzutreffen, über tage oder wochen, bei seiner damaligen freundin, der übersetzerin silvia morawietz. Habe die beiden zwischen 84 und 87 einige male besucht“ schrieb mir die mit Wolfgang Hilbig befreundete Autorin Jayne-Ann Igel …In der neu erschienenen Biografie befinden sich auch einige Fotos aus dem Jahr 1984, die Hilbig dort und in einer Kleingartenkneipe in Lindenau zeigen. In seinem Roman „Das Provisorium“ erinnert sich sein Protagonist „C.“. an die Spittastr. 19, damals schon aus der Perspektive des in die Bundesrepublik ausgereisten Heimkehrers. Hilbig verliess die DDR 1985 (allerdings nicht endgültig, er besass ein zeitweiliges Visum, kehrte regelmässig nach Leipzig zurück. Im Titel des Romans „Das Provisorium“ wird auf das Visum angespielt). In der Erzählung „Versuch über Katzen“, die in dem Erzählungsband „Die Arbeit an den Öfen“ erschienen ist, erinnert sich Wolfgang Hilbig an die gemeinsame Zeit in der Junghanßstr.4. In ihrer Biografie schildert Karen Lohse das Leben in dem Haus:

„Gert Neumann, der nach seiner Exmatrikulation das vom Literaturinstitut
bezahlte Zimmer verlor, schlug sein Domizil in einem der verfallenen
Altbauhäuser auf. In der Junghanßstraße 4 im Leipziger Stadtteil
Leutzsch gründete er zusammen mit seiner Frau Heidemarie Härtl, Faust,
Hilbig, den Malern Dietrich Gnüchtel und Michael Flade eine kleine Künstlerkommune.
Zeitweise quartierten sich auch die Lyriker Kristian Pech,
Odwin Quast und Andreas Reimann hier ein sowie der Schriftsteller und
Mathematiker Manfred May. Die Zeit und das Zusammenleben im oberen
Stockwerk des alten Hauses, in der noch bewohnbaren Hälfte der Dachetage,
die zur Straße hinausging, beschreibt Hilbig in der 1994 entstandenen Erzählung
»Versuch über Katzen«, die er der 1993 gestorbenen Heidemarie Härtl
widmete: während wir also ganz oben hausten, zwischen den schrägen Wänden
bautechnischer Absurditäten, die von einem noch absurder wirkenden
Kreuzgeflecht freiliegender Balken in fragwürdige Stabilität versetzt wurden,
in einem Labyrinth winziger Kammern mit winzigen Fenstern, aus denenman über den Rand des rotschwarzen Dachs hinab in eine enge verschlammte
Schlucht blickte, in die Junghanßstraße, die eine baumlose Industriestraße mit
langen Reihen von Gießereigebäuden war.
Das Labyrinthische des Hauses, seine fragwürdige Stabilität und ästhetische
Absurdität, spiegelt sich im Leben der Bewohner wider. Die untere
Etage und der Keller sind das Reich von Frau Müller und einer ungezählten
Schar Katzen. Längst ist die alte Frau nicht mehr die Legatin oderWahlmutter des Katzenvolkes. Die Katzen sind in ihre Wildheit, in ihr prädomestiziertes
Dasein zurückgekehrt und haben Frau Müller, die vergeblich
versuchte, sie zu zähmen, mit sich genommen: Ihr kleines runzliges Gesicht
hatte sich sehr bald den Katzengesichtern angeglichen oder sich vielmehr zu
einem solchen zurückgebildet; immer offenkundiger war in der kurzen Zeit,
in der wir sie kannten, die untere Hälfte ihres Kopfes zu einer kleinen nuscheligen
Katzenschnauze degeneriert. Menschliche Artikulationsformen hat
Frau Müller, die ihr Lebtag ausschließlich mit Katzen kommunizierte, verloren.
Sie ist zu einem Zwischenwesen mutiert: halb Katze, halb Mensch.
Die menschliche Sprache hat Frau Müller verloren, die Sprache der Katzen
bleibt ihr in letzter Konsequenz verschlossen. In endlosen nächtlichen
Suaden versucht sie, zu deren ungezügeltem Wesen durchzudringen. Vergeblich,
es bleibt ein »Versuch über Katzen«.
Dem absurden Geschehen in der unteren Etage steht das Leben der
kleinen Künstlerkommune im Dachgeschoss gegenüber, die am Anfang
des Winters auf den sogenannten harten Kern von drei Leuten zusammengeschrumpft
war: Der Ich-Erzähler, der spiritus rector genannte Gründer
der Kommune und dessen Freundin. Die erhoffte Anerkennung durch den
Kulturbetrieb bleibt aus. Wenn kleinere Texte in die Welt außerhalb der
Junghanßstraße 4 dringen und veröffentlicht werden, ist die Kritik vernichtend
– eine Ächtung, aus der die Gemeinschaft ihre Schaffenskraft zieht:
Doch war die Kritik dieser Werke schlecht gewesen, worauf wir uns in unserer
Gesamtheit von der Gesellschaft geächtet fühlten, was uns zur Ehre gereichte.
Und wir wollten nicht aufhören, diese Ächtung wortreich zu untermalen. Das
Geld ist knapp. Dennoch: Der harte Kern freilich war entschlossen zu bleiben,
sollte es auch notwendig werden, dem Tod ins Auge zu blicken, ironisiert
der Ich-Erzähler aus der zeitlichen Distanz heraus den jugendlichen
Idealismus.“