Heinrich Wiegand und Max Schwimmer
Oktober 3, 2008, 11:57 pm
Filed under: Literaturgeschichte, Uncategorized | Schlagwörter: ,

wiegand an hesse
Wiegands und Schwimmers 1928

Es handelt sich um zwei Lebensläufe, die in armen Verhältnissen in Lindenau ihren Anfang nahmen, beide besuchten gemeinsam das Lehrerseminar in Connewitz um aus der Enge dieser Verhältnisse zu fliehen. Nach dem ersten Weltkrieg wenden sich beide den künstlerisch radikalen Subkulturen Leipzigs zu. Wiegand wird Pianist in den Kabaretts „Der Bauch“ und später „Retorte“, schreibt Glossen für die Satirezeitung „Der Drache“. Schwimmer zeichnet ab 1918 für Pfemferts „Die Aktion“ und gestaltet Bühnendekorationen in der „Retorte“. Später liefert er auch Texte und Zeichnungen für den „Drache“. Schwimmer etabliert sich langsam als Illustrator von Büchern, zumeist für die linken Plagwitzer Verlage „Die Wölfe“ und „Freidenkerverlag“. Wiegand wird Musik- und Literaturkritiker bei der Leipziger Volkszeitung und arbeitet zugleich für das Arbeiter-Bildungsinstitut, als Redakteur der SPD-nahen Zeitschrift „Kulturwille“. Er beginnt einen intensiven Briefwechsel mit Hermann Hesse und engagiert sich gegen die langsam an Einfluss gewinnenden Nationalsozialisten und Militärs. 1933 muss Wiegand aus Deutschland fliehen und stirbt 1934 im Exil in Italien. Schwimmer verliert seine Anstellung als Lehrer in der Kunstgewerbeschule und kann lange nicht mehr ausstellen, er schreibt an seinen Freund Hans Georg Richter: „Der Glückstraum ist endgültig ausgeträumt, warten wir also auf das Wunder, Kniebeuge vor Gott. Flucht aus der Zeit? Jawohl!“. Später gelingt ihm diese Flucht aus der Zeit, er kann wieder als Illustrator arbeiten und auch in geringem Umfang wieder Bilder ausstellen. Nach dem Krieg leitet Schwimmer die Leipziger Kunstgewerbeschule und arbeitet an der staatlichen Akademie für graphische Künste. Er etabliert sich als Illustrator, muss aber nach einem künstlerischen Richtungsstreit Leipzig verlassen und an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden weiter unterrichten. 1956 wird er Sekretär an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin. Schwimmer stirbt am 12.3.1960 in Leipzig und ist auf dem Friedhof in Leipzig-Lindenau beigesetzt. Zum Tode von Heinrich Wiegand konnte Thomas Mann 1934 nur bemerken: „Daß der Arzt nicht einmal den Namen seiner Todeskrankheit zu nennen weiß, ist charakteristisch genug. Wir kennen diesen Namen wohl. Er lautet ‚Deutschland‘; und wenn irgend etwas unseren Abscheu erhöhen könnte über den , der auch Ihren Mann aus der Heimat vertrieb, auch seinen Lebensinhalt und ihn selbst zerstörte, so ist es das Ende dieses guten Menschen.“ Heinrich Wiegand ist in Lerici in Italien beerdigt.

siehe auch: Biografie von Heinrich Wiegand

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